
Aktuelle Diskussion zu meinem Roman "Doktorspiele" bei Focus:
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Aktuelle Geschichte
"Geschichte aus meinem neuen Buch "Fifi poppt den Elch"
Das Haar in der Suppe der Liebe
Wenn der Mann sich in eine Frau verliebt, solle er – den Verführungsgurus nach - nicht gleich mit ihr ins Bett hüpfen wollen. Ich hab mich in Lucia echt platonisch verknallt. Trotzdem bekam ich einen Ständer, wenn Lucia nur ihre Brille abnahm! Nach dem Rat der Verführungskünstler musste ich Lucia aber zeigen, dass ich mit ihr nicht vögeln sondern auf Wolke sieben schweben möchte. Hier sind sich die perfekten Verführer einig: Der wichtigste Schritt mit einer Frau auf dem Weg ins Bett sei, die Frau zu überzeugen, dass der Weg ganz anderswohin führe.
Lucia lebte in München, stammte aber aus Thüringen und fuhr auf Gothic Metal, Vampire und Mittelalter ab. „Burgen törnen mich total an!“, sagte sie. Klar verstand ich unter „Antörnen“ ihre Lust, auf Mittelaltermärkten rumzutoben, die deutsche Mittelalternative eben, die neue deutsche Romantik, die Sehnsucht, eine keusche Magd zu spielen, oder eine Gothic-Geschichte zu erleben, die Freundin eines Vampirs zu werden zum Beispiel, sich ein bisschen an der Halsschlagader rumlecken zu lassen und zittern, was da noch kommen würde, irgendwelche anständigen romantischen Sachen halt – kein Rumficken oder so was. Dementsprechend wollte ich Lucia zuerst romantisch umgarnen, ihr Gothic-Gemüt mit Gedichten und Liebesbeweisen betören, und den Drachen nicht gleich aus seiner Hölle lassen. Erst wenn sie mich auch liebte, würde ich mit meiner Lanze durchs Burgtor marschieren. Wir haben uns aber nicht mal ein paar Tage gekannt, und schon hat Lucia vorgeschlagen, zusammen ein August-Wochenende in Burghausen zu verbringen. In München hat sich Lucia bis auf ihr schwarzes Outfit ganz gesittet gegeben, eine kleine Vegetarierin, nicht einmal Weißwurst aß sie, obwohl Weißwurst dank viel Petersilie darin nahezu vegetarisch ist. Auch Alkohol verschmähte sie. Doch in Burghausen fuhr ihr der Teufel in die Knochen und kurbelte ihren Hormonzyklus durch. Schon beim Mittagessen nach unserer Ankunft bestellte sie eine halbe Ente und Erdinger Weißbier und erzählte mir einen unflätigen Witz mit vielen Geschlechtsorganen darin. Und da hatten wir die Burg nur aus der Entfernung gesehen. Erst nach dem Einchecken in unsere Pension wollten wir hinauf!
Auch die Pension gab sich ganz mittelalterlich - lecker wie das Lebkuchenhaus. Unterm Bett in unserem Doppelzimmer stand sogar ein Nachttopf. Lucia war hingerissen. Sie trällerte „Over the Hills and Far Away“ von Nightwish und tänzelte herum. Ich ließ sie tanzen und singen und schlüpfte schnell unter die Dusche. Als ich oben ohne, nur in meinen Bermuda-Shorts bekleidet, herauskam, begrüßte mich Lucia mit einem bewundernden „ooooh!“ Sie tänzelte auf mich zu und packte meine linke Brust. Echt hard core die Frau! „Du hast hier so schön glatte Haut!“, sagte sie. „Rasierst du dich an der Brust?“
„Es ist bös raufen, wo kein Haar ist“, antwortete ich mit einem alten deutschen Sprichwort. Back to the roots! Das mögen die Mittelalter-Mädels. „Bei mir ist an der Brust noch nichts gewachsen“, sagte ich. „Nur an der rechten Brustwarze wächst mir so ’n einziges langes Haar, aber das hab ich grade letzte Woche wieder mal rausgerissen. Vielleicht kommt da noch was!
„Ich mag Haare nur am Kopf!“, sagte Lucia. „Haare am Körper find ich eklig!“ Und gleich haute sie auch ein deutsches Sprichwort in die Runde: „Man muss Haare scheren, wo sie sind!“, sagte sie und wartete lächelnd, was von mir kommen würde.
„Auch ein Haar hat seinen Schatten!“, sagte ich.
„Ich versteh mich mit dir super!“, sagte Lucia. „Scheiß auf die Burg!“ Sie schlüpfte aus ihrer schwarzen Gothickluft. Drunter trug sie ein dunkelviolettes Höschen – das aber nicht mehr mittelalterlich oder gothicmäßig aussah, sondern wie aus einer Beate-Uhse-Kollektion. Die Beine und den Schritt glatt rasiert, als wollte sie für Dieter Bohlen casten. Oben war sie auch ohne! Ohne Haar und ohne BH. „Rasierst du dich auch an der Brust?“, fragte ich, um die Konversation im Gang zu halten.
„Hihihi!“, kicherte Lucia. „Komm schon!“, sagte sie und hüpfte ins Bett.
Da fiel mir noch ein deutsches Sprichwort ein. „Kurzes Haar ist bald gebürstet!“, sagte ich und schickte mich an, aus meinen Boxershorts zu steigen. Doch plötzlich erreichte mich Lucias Haarhass in seiner vollen Bedeutung. Scheiße! Findet sie Haare am Körper echt eklig? Und was jetzt, he? Ich hatte den Sack voll davon! Mich da unten zu rasieren, ist mir noch nie in den Sinn gekommen. Klar sehe ich in der Sauna hin und wieder Männer, die glatt wie Wiener Würstel rumlaufen. Doch ich komme vom Land! Bei uns im Dorf hatte man noch nicht so abgeholzt, wie’s heutzutage die Sitte ist. Bei uns war noch Natur angesagt! Wenn in unserem Fußballverein unter der Dusche ein Spieler mit rasiertem Pimmel auftauchte, wusste jeder, dass er damit seine Filzläuse bekriegen wollte. Klar haben wir heutzutage eine Design- und Plastikkultur. Die Hippies der Zukunft werden wohl langes Schamhaar tragen, um gegen diese Gesellschaft zu revoltieren. Sogar ganz vernünftige Frauen haben heutzutage unten ’ne Glatze, oder wenn schon, dann ein gepflegtes Schnurbärtchen. Schnipseln wohl jeden Tag dran rum. Noch ein paar Jahre und dann gibt’s auch Schamhaarfriseure. Mit Haarfärbung und Dauerwelle im Angebot! Ein Freund hatte sich ’ne Rasiermaschine gekauft und fährt jeden Morgen über den Sack damit. Echt! Jeden Morgen! Ein Dreitagebart am Sack wirke nicht besonders erotisch, meint er. Was nun also? Konnte ich Lucia den Affen zeigen? Wo sie so auf haarlos stand!
„Ich muss mir noch die Fingernägel stützen!“, rief ich und hop, hop zurück ins Badezimmer. Zum Glück hatte ich mein Rasiermesser dabei. Holzfällen! Ich spritzte mir den Rasierschaum um den Pimmel herum, so dass er wie ’n Sahne-Bommel ausschaute. Vorsichtig fuhr ich mit dem Messer drüber. Und fertig! Aber!.. Verdammt! Noch direkt am Sack sind Haare geblieben, hab gar nicht gemerkt, dass die jetzt auch dort wuchsen. Konnte ich so bei Lucia auftauchen? Mit frisch rasiertem Unterleib, mit ’nem Sack aber, der so ausschaute wie der Kopf von Yoda, dem Jedi-Ritter-Lehrer von Luke Skywalker? Ich schäumte meine Sackhaut an. Doch die ist irgendwie nicht so geeignet zum Rasieren, ein echter Krabbelteppich, ein gepflügtes Kartoffelfeld, eine Hochdruckplatte, zumal ganz unter Schaum verdeckt. In die Linke packe ich also meinen Pimmel und ziehe ihn hoch, um den Weg frei zu machen, die Rechte mit dem Rasiermesser geht den Sack an: „Auuutsch!“ Scheiße! Wo bin ich da hinein gefahren? Aus dem Schaum sprießt Blut. Mit dem Messer in meiner zittrigen Hand versuche ich den Schaum auf die Seite zu schieben – wie beim Schneeräumen -, um die Wunde genau zu inspizieren und verpasse mir einen zweiten Schnitt! „Ouweia!“ Ich blute wie ein Schwein! Himbeersoße sickert durch das Sahnetörtchen! Ich wusch den Schaum weg und goss mir Rasierwasser auf den Sack – aaaaah! -, doch die Wunden bluteten und bluteten. Was nun? Kein Pflaster in meiner Kosmetiktasche! Nur eine Spule Mullbinde, mit der ich hin und wieder beim Joggen mein schmerzendes Knie verband. Ich wickelte meinen Sack dick in die Mullbinde. Schaute echt beschissen aus. Konnte ich Lucia so ’nen fett verknoteten Sack zeigen?
Eine andere Strategie musste her! Ich schlüpfte wieder in meine Boxershorts, lief aus dem Badezimmer und haute mich nebens Bett auf die Knie. Die halbnackte Lucia lächelte mich an. Ich packte ihre Hand. „Ich möchte mit dir echte Liebe erleben!“, brüllte ich. „So wie’s damals im Mittelalter war. Ich möchte dich wie ein Ritter erobern! Wie ein Ritter die Prinzessin! Wir könnten dir auch einen Keuschheitsgürtel kaufen! Erst wenn dein Herz ganz für mich entflammt, entführe ich dich aus deiner Burg! Ha!“
„Und bis dahin kein Sex?“, fragte Lucia.
„Ja!“, rief ich. „Mindestens zwei Wochen kein Sex. Bis die Wunden verheilt sind!“
„Welche Wunden denn?“
„Die Wunden an meiner Seele!“
„Ja!“, rief sie. „Ich habe auch Wunden!“ Sie schlüpfte wieder in ihr Kleid. Klar tat mir der Blödsinn auch gleich leid. Hätte vielleicht doch sagen sollen, du, ich hab mich ein bisschen am Sack geschnitten. Guck mal! Vielleicht hätte es sie sogar angetörnt – wenn sie schon so auf Vampire stand. Zum Glück war die anschließende Burgwanderung echt schön. Leider verknallte sich Lucia zwei Wochen später in einen echten Vampir, der gerade die Münchner Fußgängerzone unsicher machte. Eins ist auf jeden Fall klar: Wenn der Mann vor der Frau angibt, nicht gleich vögeln zu wollen, weil er sie zu allererst ganz platonisch liebe, hat er meist einen sehr profanen Grund dafür. Zum Beispiel ein paar Schnittwunden am Sack. Oder die Tipps der Verführungsgurus. Von denen lasse ich mir aber nichts mehr sagen. Hätte ich damals in Burghausen mit Lucia gevögelt, wäre mir ein bisschen mehr Erinnerung an sie im Kopf geblieben als jetzt. An schaumloses Bier erinnerst du dich doch auch nicht gern, oder? Und Liebe ohne Sex ist eben wie Bier ohne Schaum! Egal was die Gurus sagen!
